Risikobericht

Als internationaler Anbieter von Industriegasen stehen wir sowohl Chancen als auch Risiken gegenüber, die untrennbar mit unternehmerischem Handeln verbunden sind. Darüber hinaus ist die künftige Ergebnisentwicklung neben der Entwicklung im operativen Gasegeschäft auch von den nicht beeinflussbaren Konjunkturverläufen in den einzelnen Ländern abhängig. Dabei ist es vornehmlich die Aufgabe, die Chancen erfolgreich wahrzunehmen und zugleich die Risiken im Rahmen des Risikomanagements zu begrenzen und aktiv zu steuern. 

Im Einzelnen können insbesondere folgende Risiken wesentliche Bedeutung für die Geschäftsentwicklung sowie die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage erlangen:

Gesamtwirtschaftliche Risiken

Das Geschäft mit industriellen Gasen unterliegt einem starken Wettbewerb, der im Rahmen der Globalisierung zugenommen hat. Das wettbewerbsintensive Umfeld kann die zukünftigen Ergebnisse und Mittelzuflüsse vermindern. Die Messer Gruppe ist in vielen Ländern tätig und daher den lokalen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den daraus resultierenden Geschäftsrisiken ausgesetzt. 

Marktrisiken

Wir beliefern eine große Bandbreite von Industrien und Branchen (unter anderem die Stahlerzeugung und Metallverarbeitung, Chemische Industrie, Petrochemie, Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, Gesundheitswesen und Glasindustrie) auf der Basis langfristiger Lieferverträge mit einer Laufzeit von bis zu 15 Jahren in Europa und bis zu 30 Jahren in Asien. Ein signifikanter Rückgang der Marktnachfrage in einigen dieser Schlüsselindustrien und -branchen, zurzeit insbesondere bei der kritischen Situation in der von weltweiten Überkapazitäten geprägten Stahlindustrie, kann die zukünftige Entwicklung des Ergebnisses nachteilig beeinflussen. Unsere gute Positionierung in China beinhaltet hinsichtlich des überproportionalen Ergebnisbeitrags aus dieser Region zugleich, dass wir die negativen Auswirkungen aus wirtschaftlichen Schwächephasen in diesem Markt nicht durch bessere Entwicklungen in anderen Märkten kompensieren können. 

Kostenrisiken

Regulatorische bzw. staatlich veranlasste Änderungen oder Eingriffe im Bereich der Energiewirtschaft können in einzelnen Ländern zu steigenden Energiepreisen führen. Die immer wieder entstehenden Krisensituationen in ölfördernden Ländern und der zunehmende Energiebedarf der Schwellenländer, vor allem in China und Indien, lassen uns langfristig wieder steigende Öl- und Energiepreise mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Preise der von der Messer Gruppe benötigten Betriebsstoffe sowie auf die Vorprodukte erwarten. Die Einkaufspreise für einzelne bedeutende Zukaufprodukte, wie zum Beispiel Helium, schwanken stark. Obwohl die Messer Gruppe oftmals einen Teil der Kostensteigerungen über Preisgleitklauseln in den Lieferverträgen (vor allem Strompreissteigerungen) an ihre Kunden weitergeben oder über langfristige Bezugsverträge abmildern kann, können Preissteigerungen bei Energie- und Fremdbezugskosten die Rentabilität der Messer Gruppe belasten.

Preisrisiken

Das wettbewerbsintensive Umfeld kann in einzelnen Ländern zu unverhältnismäßigen Preisentwicklungen führen, die unsere zukünftigen Umsätze und Ergebnisse vermindern. Die Integration der in der jüngeren Zeit eingetretenen Länder in die EU birgt insofern Risiken, als dass eine Vielzahl der bisher staatlichen Betriebe unter Vorgaben der EU und des Internationalen Währungsfonds privatisiert und restrukturiert werden müssen. Die Anzahl und die Höhe der bisher gewährten Staatszuschüsse könnten sich drastisch reduzieren, sodass es in diesen Ländern zu zahlreichen Stilllegungen und Fusionen mit negativem Einfluss auf unseren Umsatz kommen würde. Es wäre damit zu rechnen, dass es zu einem verstärkten Preisdruck kommen könnte.

Betriebsrisiken

Eine Betriebsunterbrechung bei unseren Produktionsanlagen kann zu Lieferausfällen bei unseren Kunden führen. Wir versuchen dies zu vermeiden, indem unsere Anlagen regelmäßig gewartet und überwacht werden. Für den Fall, dass ein Schaden eintritt, verfügen wir über Not- und Ausfallpläne sowie Instrumente, um die finanziellen Folgen einer Betriebsunterbrechung bei unseren Kunden zu mindern. Die Messer Gruppe arbeitet daran, die Lieferstärke bzw. -flexibilität so auszubauen, dass auch in Notfällen die Versorgungssicherheit ihrer Kunden gewährleistet ist. Das Angebot und die Qualität unserer Leistung hängen von der Verfügbarkeit der zugekauften Hardwareteile bzw. der eingesetzten Produktionsmittel (zum Beispiel Flaschen und Tanks) sowie der Leistungsqualität der Lieferanten und Geschäftspartner ab.

Akquisitionsrisiken

Die Messer Gruppe entwickelt sich kontinuierlich strategisch weiter. Neben dem Ausbau und der Stärkung unseres Bestandsgeschäfts sowie einer ständigen Optimierung der Sourcing- und Logistikprozesse, sind wir bestrebt, organisch sowie durch Akquisitionen zu wachsen, neue Partnerschaften in Form von Joint Ventures einzugehen, bestehende Märkte zu konsolidieren und nicht mehr dem Kerngeschäft zugehörende Aktivitäten zu desinvestieren. Im Konzern können aus dem Verkauf von Unternehmen oder Geschäftsaktivitäten allerdings nachträgliche Risiken entstehen. Sofern ein Risiko wahrscheinlich ist, haben wir bilanziell vorgesorgt. Die Entscheidungen für Akquisitionen und das Eingehen neuer Partnerschaften unterliegen dem Risiko, die künftigen Marktpotenziale sowie die Annahmen zur Umsetzbarkeit der Projekte falsch prognostiziert zu haben. Die Messer Gruppe hat daher interne Gremien, die strategische Weiterentwicklungspotenziale vor der Genehmigung beleuchten und die entscheidungsrelevanten Informationen aufarbeiten. Bei M&A-Projekten wird durch erfahrene Mitarbeiter aus den Fachabteilungen vor Erwerb eine Due Diligence durchgeführt, um eine möglichst große Gewissheit über das zukünftige Entwicklungspotenzial des M&A-Projekts zu erhalten. Weiterhin verringern wir das Risiko durch entsprechende Vereinbarungen in den Kaufverträgen.

IT-Risiken

Der Einsatz von moderner Informationstechnologie spielt eine entscheidende Rolle bei der Abwicklung und Sicherstellung der Geschäftsprozesse innerhalb der Messer Group. Unser in Deutschland gelegenes Rechenzentrum ermöglicht es, eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur zu schaffen und die Geschäftsprozesse zu verbessern. Durch diese Konzentration sind wir anfälliger für Betriebsunterbrechungen, Cyberkriminalität und Sabotage geworden, verursacht durch Elementarschäden oder menschliches Versagen. Um dies zu vermeiden, besitzt unser Rechenzentrum ein eigenes IT-Risikomanagement; dazu gehört unter anderem die laufende Überprüfung der Systemarchitektur. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Bereitstellung von IT-Infrastruktur und IT-Services. Insbesondere werden in diesem Zusammenhang die Ausfallsicherheit und der störungsfreie Betrieb gewährleistet. Die Integrität und Vertraulichkeit der Daten sowie wichtiger Informationen werden durch geeignete Maßnahmen, Services und Systeme sichergestellt. Die meisten Geschäftsprozesse der Messer Group werden durch interne bzw. externe IT-Services bereitgestellt. Die Sicherheit und die Compliance der Informationssysteme sind in den Zielen der IT-Strategie dargelegt. Auf dieser Grundlage gestaltet, implementiert und überprüft die Messer Group permanent Maßnahmen zum Schutz von Daten, Anwendungen, Systemen und Netzwerken. In diesem Prozess werden sowohl präventive als auch korrektive Maßnahmen berücksichtigt. 

Finanzwirtschaftliche Risiken

Für unser Wachstum und anspruchsvolles Investitionsprogramm benötigen wir Fremdkapital. Wir sind dabei von einem stabilen und insbesondere liquiden Finanzsektor abhängig. Die Messer Gruppe ist zur Begleichung von Verpflichtungen aus der Fremdkapitalaufnahme auf Zahlungsmittel aus dem laufenden Geschäft angewiesen. Dies ist in erheblichem Umfang von einem positiven operativen Cash Flow abhängig. 

Der Konzern hat Geschäfts- oder Firmenwerte bilanziert. Die Anwendung des IAS 36, das heißt die Durchführung von Werthaltigkeitstests, kann Abschreibungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte erfordern, wenn sich die Markt- und Geschäftsaussichten einer Tochtergesellschaft bzw. einer zahlungsmittelgenerierenden Einheit gegenüber dem ursprünglichen Bewertungszeitpunkt deutlich verschlechtern. Im Fall notwendiger Wertminderungen können sich signifikante Ergebnisbelastungen und Auswirkungen auf die Bilanzrelationen ergeben. In China befindet sich die Stahlindustrie in einem staatlich geführten Restrukturierungsprozess, der zur Stilllegung einzelner Produktionsstandorte führen kann. Im Rahmen der Planung wurde den daraus resultierenden Unsicherheiten durch entsprechende Wertberichtigungen auf Forderungen sowie reduzierten Geschäftsannahmen Rechnung getragen.

Im Rahmen von Finanz- bzw. Schuldenkrisen kann es weltweit immer wieder zu Wirtschaftseinbrüchen oder -abschwächungen kommen. Die Messer Gruppe wird die aktuellen Entwicklungen genau beobachten. Die in Vorjahren eingeleiteten und umgesetzten Kosten- sowie Investitionseinsparungsprogramme haben den negativen Auswirkungen bisheriger Finanz- und Wirtschaftskrisen entgegengewirkt. Wir halten an vielen Programmen weiterhin fest. Die sich möglicherweise verschlechternde Bonität unserer Kunden birgt das Risiko von Forderungsausfällen ebenso wie die Verzögerung gemeinsamer Projekte.

Wir müssen sicherstellen, dass wir die in den USPP‘s und dem RFA gegebenen Zusicherungen einhalten. Insbesondere hervorzuheben ist der Net Debt (Bruttofinanzschulden abzüglich liquider Mittel)/EBITDA Covenant, der sowohl für die gesamte Messer Gruppe als auch für die Messer Gruppe exklusive ihrer Tochtergesellschaften in China zu erfüllen ist. Finanzielle Risiken können in der Messer Gruppe zudem durch Wechselkurs- und Zinssatzänderungen entstehen. Das Management der Zinssatzänderungs-, Währungs- und Liquiditätsrisiken erfolgt durch die zentrale Finanzabteilung („Group Treasury“) anhand der vom Management vorgegebenen Richtlinien. Group Treasury ermittelt und bewertet die Finanzrisiken und sichert diese ab. Als Sicherungsinstrumente nutzt die Messer Gruppe derzeit marktgängige Devisentermingeschäfte und Zinsswaps sowie Cross Currency Interest Rate Swaps. Die Treasury-Richtlinien enthalten Grundsätze für das generelle Risikomanagement sowie Einzelregelungen bestimmter Bereiche, wie das Wechselkursrisiko, das Zinssatzänderungsrisiko, den Einsatz derivativer Finanzinstrumente und die Anlage überschüssiger Liquidität. Die Risiken werden permanent beobachtet und der Sicherungsumfang gegebenenfalls angepasst.

Währungsrisiken

Transaktionsrisiken, die bei der Ausfuhr von Produkten entstehen können, sichern wir weitgehend bei Auftragseingang ab. Im operativen Bereich der Messer Gruppe wickeln die einzelnen Konzernunternehmen ihre Aktivitäten überwiegend lokal in ihrer funktionalen Währung ab. Deshalb wird das Währungsrisiko aus Transaktionsrisiken insgesamt als gering eingeschätzt. Einige Konzernunternehmen sind jedoch Fremdwährungsrisiken im Zusammenhang mit operativen Transaktionen außerhalb ihrer funktionalen Währung ausgesetzt. Diese betreffen hauptsächlich Zahlungen für Produkt- oder Dienstleitungsimporte und werden soweit wie möglich abgesichert. Wie alle Marktteilnehmer können wir unerwartet mit Aufwertungen einer funktionalen Währung konfrontiert werden, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes und unserer Aktivitäten vor Ort im Exportbereich schwächt. Transaktionsrisiken, die bei der Umrechnung von Fremdwährungspositionen in Euro auftreten können, stufen wir als geschäftsüblich ein.

Kursverluste gegenüber dem Euro können über die Bewertung unserer Vermögenspositionen in den entsprechenden Ländern zu einer Reduzierung unseres Konzern-Eigenkapitals führen.

Rechtliche und vertragliche Risiken

Unternehmen sehen sich immer wieder mit den Behauptungen konfrontiert, dass gewerbliche Schutzrechte oder gesetzliche Pflichten verletzt, fehlerhafte Produkte geliefert oder die Umweltschutzauflagen nicht eingehalten wurden. Ungeachtet der Erfolgsaussichten derartiger Ansprüche können im Zusammenhang mit deren Abwehr hohe Kosten entstehen. Die Messer Gruppe wehrt sich in solchen Angelegenheiten energisch mit Unterstützung interner und externer Experten.

Unsere Geschäftstätigkeit in vielen Ländern unterliegt länderspezifischen Umweltgesetzen und -vorschriften, beispielsweise zu Luftemission, Grundwasserverschmutzung, Gebrauch und Behandlung gefährlicher Substanzen sowie Bodenuntersuchung und -entgiftung. Daraus entstehen immer wieder Haftungsrisiken aus dem laufenden wie auch aus dem in der Vergangenheit liegenden Geschäftsbetrieb. Vor allem die neuen und an die EU-Richtlinien angepassten Umweltanforderungen in den neuen EU-Mitgliedsstaaten machen es erforderlich, unsere derzeit bestehenden hohen Umweltstandards den neuen Verpflichtungen anzupassen. Konsequenzen daraus könnten höhere Produktionskosten und Anpassungen im Produktionsprozess sein. Die jüngste Vergangenheit zeigt aber, dass die Integration von strengeren Umweltvorschriften zu einem effizienteren Produktionsprozess und einem qualitativ höheren Produkt führt. 

Gesamtaussage

Die zuvor genannten Chancen zeigen, dass es sich um interne und externe Potenziale handelt. Die internen Potenziale versuchen wir gezielt zu entwickeln, und die externen Potenziale werden wir bei jeder sich bietenden Gelegenheit nutzen. Die zuvor genannten Risiken sind nicht die einzigen Risiken, denen wir ausgesetzt sind. Zum heutigen Zeitpunkt unbekannte oder als unwesentlich erachtete Risiken können sich bei veränderten Rahmenbedingungen gegebenenfalls nachteilig auf die Messer Gruppe auswirken. Für den Konzern waren aber im Geschäftsjahr 2017 keine Risiken erkennbar, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit einen wesentlichen Einfluss auf den Fortbestand des Konzerns haben könnten. Diese drohen auch in absehbarer Zukunft nach jetzigem Kenntnisstand nicht. Die wesentlichen Risiken liegen im Berichtszeitraum in den Bereichen Marktentwicklung, mit zeitweise ausgeprägtem Wettbewerbs- und Preisdruck wie aktuell in China, und Produktionsabläufe. Organisatorisch haben wir alle Voraussetzungen geschaffen, um mögliche Risiken frühzeitig erkennen zu können. Unser stetiges und nachfolgend dargestelltes Risikomanagement sowie die aktive Steuerung der Risiken tragen zur Risikobegrenzung bei. 

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